Parodontologie
Volkskrankheit Parodontose - richtig: Parodontitis, Zahnbetterkrankung (siehe umfangreiches Bildmaterial in der Flash-Version)
Dabei kommt dem bakteriellen Belag (der sog. Plaque) eine besondere Rolle zu. Allerdings schreibt man heute auch der körpereigenen Abwehrreaktion mit den individuellen genetischen Veranlagungen eine bedeutende Rolle zu. Weiterhin sind verschiedene Risikofaktoren bekannt, wie z.B. Rauchen und Diabetes etc., die den Verlauf der Erkrankung, sowie deren Behandlung gravierend beeinflussen. Eine optimale Mundhygiene ist grundsätzlich die beste Prophylaxe. Obwohl spezifische Bakterien und das Lebensalter der Patienten mit der Parodontal-Krankheit vergesellschaftet sind, liegen z.Zt. immer noch keine verlässlichen Werte für die Einschätzung und Vorhersage des Schweregrades der Erkrankung vor.
Genetische Identifikationen werden in Zukunft mehr Klarheit bringen. Die Zahnmedizin ist heute in der Lage, sowohl individuelle Bakterien bestimmen zu können, als auch (bei bestimmten anatomischen Voraussetzungen) verloren gegangene Gewebestrukturen bedingt wieder zum Nachwachsen anzuregen. Die Zukunft der Zahnmedizin gehört der Regeneration und der wiederherstellenden Zahnheilkunde.
Im Rahmen der parodontalen Diagnostik werden u.a. Untersuchungen mit einer sog. Parodontal-Sonde vorgenommen. Dies ist ein stumpfes Instrument mit einer festgelegten Kalibrierung in Millimeterangaben, das vorsichtig zwischen Zahnfleisch und Zahn eingeführt wird, um die Tiefe der jeweiligen Furche zu ertasten. Die "Normalwerte" liegen etwa in einem Bereich von 2-3 mm. Wenn die Sonde tiefer eindringen kann, dann nur deshalb weil sich der unter dem Zahnfleisch befindliche Knochen zurückgezogen hat. Im Bild sehen Sie das Ausmaß einer fortgeschrittenen Parodontitis mit einer parallel geführten Sonde als Vergleich.
Eine wesentliche Komponente bei der parodontalen Diagnostik kommt den zwingend notwendigen Röntgenaufnahmen zu, ohne die keine exakte Behandlungsplanung möglich ist. Nur mit Röntgenaufnahmen ist der Zustand des knöchernen Zahnbettes in Kombination mit dem klinischen Befund zu beurteilen. Eine besondere Problemzone liegt im Bereich der mehrwurzeligen Backenzähne. Hier sollte der Bereich zwischen der Wurzelgabelung (sog. Furkation) von Knochen bedeckt sein. In vorliegenden Fall erkennt man einen initialen isolierten Befall mit einem sog. tunnellierenden Defekt.
Fortgeschrittene parodontale Erkrankungen erfordern in vielen Fällen eine chirurgische Intervention. Die moderne Zahnheilkunde kann heute auch viele scheinbar hoffnungslose Zähne retten, aber nicht alle. In jedem Fall erfordern diese Eingriffe ein Vorgehen unter weitgehend sterilen Bedingungen, denn komplette Sterilität ist im Mund nicht vorhanden und auch nicht herzustellen. Trotzdem führen wir alle Maßnahmen annähernd unter OP-Bedingungen durch, zur Vermeidung unnötiger Infektionen, zum besseren Wundheilungsverlauf und aus Gründen unserer Auffassung von gebotener Sorgfalt auch mit Lupe bzw. Mikroskop.
Die Entwicklungen der Gentechnologie haben auch in der Zahnmedizin zu revolutionären Veränderungen unseres Therapiespektrums beigetragen. Bei bestimmten anatomischen Defekten (also nicht in jedem Fall) gelingt es, den Verlust des sog. Zahnhalteapparates wieder herzustellen. Der Trend geht inzwischen zum Einsatz von körpereigenen Wachstumsfaktoren, die wir in der Praxis gewinnen können. Dazu wird wenig patienteneigenes Blut entnommen, in einer Zentrifuge entsprechend bearbeitet, bzw. aufbereitet und anschließend während der Operation eingebracht. Langzeitstudien liegen noch nicht vor.
Eine der - inzwischen wissenschaftlich erprobten und nachgewiesenen - neueren Techniken und Methoden wurde durch Entwicklung des Produktes "Emdogain" bzw. "Emdogain TS" möglich.
In der grafischen Abfolge ist ein tiefer Defekt im Zahnhalteapparat zu erkennen, der durch die kalibrierte Sonde deutlich gemacht wird. Im Rahmen eines operativen Eingriffs wird der Knochenkrater dargestellt, gereinigt, konditioniert und mit dem "Emdogain-Gel" beschichtet. Der vorhersagbare klinische Erfolg der Regeneration tritt bei anatomisch geeigneten Defekten zu einem hohen Prozentsatz ein.
Die zwei Röntgenaufnahmen aus dem Emdogain-Archiv zeigen beeindruckend und auch für den Laien zu erkennen das Ausmaß des Defektes vor dem operativen Eingriff. Die eingeführte Kontrollsonde stellt die Tiefe des Knochenkraters dar. Da die Regeneration frühestens nach einem Jahr beurteilt werden kann, sind entsprechende Aussagen zum Erfolg der Behandlung nicht früher möglich. In der postoperativen Phase ist eine intensive Mundhygiene angezeigt. Das Abschlussbild nach 12 Monaten zeigt eine gelungene Regeneration des Zahnhalteapparates.
